Montag, 4. März 2013

Hard-Moves 2013 - Ein Drama in drei Akten


1. Akt: Qualifikation

Die Hardmoves Bouldersession machte dieses Jahr natürlich wieder Station in unserer Halle, im Escaladrome. Da war es selbstverständlich, dass sich alle Mitglieder des Stützpunktes für das Hard-Moves-Team qualifizieren wollten. So wurde schon in der Qualifikation ordentlich Gas gegeben, denn bei über 500 Qualifikanten bekam man nichts geschenkt. Alle haben bis zum letzten Tag gekämpft und sich gut geschlagen. Lena Herrmann, Andrea, Katrin, Lars, David und Felix konnten sich letztendlich für das aus insgesamt zehn Boulderern bestehende Team qualifizieren. Auch Ruben trafen wir in Wuppertal. Er startete ausnahmsweise nicht für Hannover, sondern für das Team aus Zürich, da er dort ein Auslandsjahr verbringt.


2. Akt: Finale

Im Finale in Wuppertal galt es dann für jeden, innerhalb von sechs Stunden so viele Wettkampf-Boulder wie möglich zu bezwingen. Die 36 Probleme waren erstklassig geschraubt, so dass alle Facetten des Boulderns abgefragt wurden. Die ersten sechs Mannschaften sichern sich einen Startplatz im abendlichen Superfinale. Und ich kann nur sagen: So etwas Spannendes habe ich noch nicht erlebt.

Die ersten drei Stunden sah es sehr gut für uns aus. Wir waren durchgehend unter den Top 3. Dann setzte die Stagnation ein, es wollten einfach keine Boulder mehr gelingen und wir wurden nach und nach durchgereicht bis auf den siebten Platz und hatten zwischenzeitlich einen Rückstand von sechs Punkten (Bouldern) auf den rettenden sechsten Platz. Aber dann ging ein Ruck durch die Mannschaft. Alle gaben noch einmal ihr Letztes und plötzlich klappten schon längst abgeschriebene Boulder. In der wirklich letzten Minute gelang dann Lena noch der entscheidende Boulder. Punkte-Gleichstand mit Stuttgart auf dem sechsten Platz. In diesem Fall entscheiden als erstes die gesammelten Punkte der besten vier Herren und zwei Damen, je mehr desto besser. Und es kam wie es kommen musste, wieder Gleichstand!
Jetzt entscheidet die Anzahl der Qualifikanten und hier waren wir in Hannover mit unseren über 500 Teilnehmern unschlagbar. An dieser Stelle deshalb auch der Dank an alle die mitgemacht haben.

3. Akt: Superfinale

Das abendliche Superfinale stellte dann alles in den Schatten, was ich bislang in Sachen Kletterwettkämpfe gesehen und erlebt habe. Die Wuppertaler Schwimmoper war in eine Kletterarena verwandelt worden. Sieben Meter hohe Kletterwände waren über dem Wasser aufgebaut worden, in welches die Athleten nach zum Teil abenteuerlichen Abflügen fielen. Hier war nicht nur Kletterkönnen, sondern vor allem auch mentale Stärke gefragt und damit konnte unser Team nach dem so knapp erreichten Superfinale wahrlich Punkten.











Im ersten Superfinal-Boulder musste David ran. Trotz des sechsstündigen Finales kletterte er  souverän den sehr athletischen Boulder gleich im ersten Versuch bis zum Topgriff – Flash. Da hatte der große hannoversche Fanblock gleich mal ordentlich was zum Jubeln.

Im zweiten Superfinal-Boulder war Lars dran. Schon nach derHälfte des Boulders sah man ihm an, dass er platt war. Das war aber kein Grund loszulassen. Nein – er ließ einfach nicht los und kämpfte sich Zug für Zug bis zum Top. Flash! Jetzt kannte die Stimmung im Fanblock keine Grenzen mehr.

Im dritten Superfinal-Boulder war dann Andrea als erste unserer Mädels an der Reihe. Versuch eins und zwei endeten in der Mitte des Boulders und viel zu früh ging es ins Wasser. Viele der anderen Mannschaften hatten diesen Boulder inzwischen schon geschafft und jetzt galt es im letzen Versuch die Nerven zu behalten, wollten wir die Chance auf eine gute Platzierung wahren. Glücklicherweise war ja auch der Trainer mit im Team. Felix redete ihr noch einmal gut zu und dann kämpfte Andrea, wie ich sie noch nie in meinem Leben habe kämpfen sehen und schaffte es bis zum Top. Im Fanblock machte ich mir jetzt ernsthafte Sorgen bezüglich eines Gehörschadens.

Der vierte Superfinal-Boulder war dann Chefsache. Hier ging Felix an den Start. Der Boulder begann mit einem sehr komplexen Sprung und die Starter der anderen Teams landeten bei ihrem ersten Versuch alle im Wasser. Und was machte Felix? Nicht nur, dass er gleich im ersten Versuch den Sprung schaffte – nein, er konnte gleich den kompletten Boulder durchsteigen. Flash! Im Fanblock befürchtete ich inzwischen, dass die Glasfassade der Schwimmoper durch den Schalldruck zerbarst.

Am fünften Superfinal-Boulder war dann Lena dran. Viele kleine Leisten und erst weit oben ein Sloper. Das mag sie und so konnte Sie auch gleich bis zum vorletzten Griff, dem besagten Sloper klettern. Ab hier zeigte der Boulder seine wahre Härte, niemand erreichte den Top-Griff. Selbst Juliane Wurm, die beste deutsche Wettkampfkletterin der letzten 10 Jahre kam nur einen einzigen Zug weiter als Lena. Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was jetzt im Fanblock los war. Mir fallen keine Steigerungen mehr ein, aber es gab sie.

Der letzte Superfinal-Boulder war sozusagen der Joker. Er wurde erst jetzt vor den Augen der letzten Starter geschraubt, so dass sich die Teams nicht so darauf vorbereiten konnten, wie bei den anderen Bouldern. Für Hannover ging Jakob an den Start. Der erste Versuch endete leider relativ weit unten, aber er war guter Dinge, dass er in den nächsten Versuchen weiter kommen würde. Leider hatte er nicht damit gerechnet, dass die Tritte durch das Spritzwasser der ins Wasser fallenden Kletterer so nass sind, dass der Fuß einfach nicht mehr halten wollte. Trotz der widrigen Bedingungen hat Jakob sein Bestes gegeben.

Am Ende hatte das Team Escaladrome Hannover erreicht, womit niemand gerechnet hatte. Wir haben uns den 3.Platz erkämpft! Und das sogar mit großem Abstand zum 4. Platz und nur sehr geringem Abstand zu den beiden Plätzen vor uns. Dabei haben wir mehrere der erfolgreichsten deutschen Weltcup-Boulderer mit Ihren Teams hinter uns gelassen.

Wir wollen uns bei Susanne und Mark vom Escaladrome für die erstklassige Unterstützung, beim Hardmoves-Team für diesen Wahnsinns-Wettkampf und beim Fanblock für sein frenetisches Anfeuern ganz herzlich bedanken.

Thomas Wehmeyer


 

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